Offener Brief der BesetzerInnen des Audimax in der Universität Bielefeld an das Rektorat

Sehr geehrte Damen und Herren des Rektorats,

in Hoffnung auf einen konstruktiven Diskussionsprozess über die Studienbedingungen an der Universität Bielefeld und an anderen Hochschulen schicken wir Ihnen einige Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie zu allen Punkten unserer Liste Stellung beziehen würden, auch wenn diese nicht direkt in Ihren Zuständigkeitsbereich fallen.

Herzliche Grüße,
die BesetzerInnen

1. Sieht das Rektorat die Universität als einen demokratischen Raum? Wie steht es dazu, dass die Studierenden als größte Statusgruppe in allen Entscheidungsgremien, insbesondere dem Senat, dem Hochschulrat, der Hochschulleitung unter- oder gar nicht repräsentiert sind?
2. Was hält das Rektorat von den Inhalten des Hochschulfreiheitsgesetzes?
3. Hält das Rektorat den Hochschulrat für ein demokratisch legitimiertes Gremium?
4. Wie steht das Rektorat zu einer zunehmenden Ausrichtung der Hochschulen nach Kriterien des Marktes?
5. Wie beurteilt das Rektorat den infolge dessen stattfindenden zunehmenden Wettbewerb zwischen den Hochschulen?
6. Wer soll nach Meinung des Rektorats an einer Universität studieren?
7. Hält das Rektorat das aktuelle Studienfinanzierungssystem (BAföG, Eltern, Stipendien, Eigenerwerb, Darlehen) für sozial gerecht und wenn ja, warum?
8. Worin sieht das Rektorat den Zweck von Stipendien? Hält das Rektorat Stipendien für geeignet sozioökonomische Ungleichheiten auszugleichen?
9. Wie steht das Rektorat zu einem elternunabhängigen Studienfinanzierungssystem?
10. Wie steht das Rektorat dazu, dass Hochschulzugangsberechtigte durch ihre persönliche finanzielle Situation an einem Studium gehindert und/oder hiervon abgeschreckt werden?
11. Wie legitimieren die universitären EntscheidungsträgerInnen in diesem Kontext (siehe Frage 10.) Studiengebühren?
12. Setzt sich das Rektorat für den Erhalt der Fächervielfalt ein? Wenn ja, wie?
13. Stimmt das Rektorat der Aussage zu, dass jeder Bachelor-Absolvent und jede Bachelor-Absolventin ein Recht auf einen Masterplatz hat?
14. Wie steht das Rektorat zur zunehmenden Verschulung des Studiums?
15. Wie beurteilt das Rektorat die zunehmende Ausrichtung des Studiums nach dem Konkurrenz- und Verwertungsprinzip?
16. Wo sieht es Chancen den Studierenden größere Möglichkeiten zum selbstbestimmten Studium einzuräumen und sollen diese, so es sie gibt, auch wahrgenommen werden?
17. Wie definiert das Rektorat „aktive“ Teilnahme? Wie kann diese festgestellt werden? Ist das Rektorat der Meinung, dass Anwesenheitslisten ein geeignetes Mittel zur Feststellung sind?
18. Ist es rechtens, dass Name und Martrikelnummer in Kombination öffentlich einsehbar sind (z.B. auf Aushängen, Teilnahmelisten etc.)? Wenn nein, wie wird dem seitens des Rektorats entgegengewirkt?
19. Inwiefern nimmt das Rektorat die urheberrechtlichen Bedenken bezüglich der Verwendung des Programms TurnItIn ernst und wie reagiert es darauf, dass in einigen Fakultäten der Zwang besteht dieses Programm anzuwenden?


2 Antworten auf „Offener Brief der BesetzerInnen des Audimax in der Universität Bielefeld an das Rektorat“


  1. 1 Student 13. November 2009 um 12:17 Uhr

    Hi,
    es wäre ganz schön wenn wir eine Art Kommunikationsnetzwerk aufbauen könnten. z.B. eine Mailingliste oder ein Forum, in der weitere Aktionen geplant werden können und viele Leute leichten Zugang finden.
    Ich wüsste nicht an wen ich mich in der Uni wenden sollte um mich einzubringen.
    Gibt es schon etwas ähnliches?

    Solidarische Grüße

  2. 2 EinFachschaftler 13. November 2009 um 13:29 Uhr

    Hallo allerseits! Damit ihr nicht Dinge fordert, die eh nicht (mehr) zutreffen, hier ein paar Infos:

    Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird eine Studienstrukturreform durchgeführt, die mitte 2011 abgeschlossen sein muss und deren Planung bereits begonnenh hat. Ein Infopaket zur Umsetzung
    der neuen Studienstruktur
    und ein Zeitplan wurden am 6.11. abends vom Rektorat an alle Studiendekane geschickt, mit der Bitte „das Infopaket auch an die in Ihrer Fakultät programmverantwortlichen Personen und an Ihre Fachschaften weiter [zu leiten]“. Unsere Fachschaft hat das Material am 7.11. auch erhalten.

    Zu ein paar eurer Fragen:

    13. Dieses Recht gibt es meines Wissens nicht, da Bologna explizit vorsieht, dass es weniger Masterplätze als Bachelorplätze gibt. Das ist rechtlich vorgeschrieben und darf vom Rektorat nicht übergangen werden. :-(

    14. Wie aus dem Infopaket hervorgeht, findet das Rektorat die Verschulung nicht gut und hat für alle Fakultäten verbindliche Vorgaben zu dessen Abschaffung beschlossen. -> Siehe Infopaket. Insbesondere die Erwähnung von „Bulemielernen“ finde ich nett. ;-)

    16. Die Strukturreform soll den Studenten mehr Flexibilität ermöglichen. Das wird auch in dem Infopaket explizit erwäht und ausgeführt. Im Endeffekt sollen die Studenten selbst entscheiden können, wie und was sie machen. Ich fürchte, mit weniger Zwang gehen die Durchfallquoten hoch, aber Studis sind ja auch alt genug das selbst auf die Reihe zu kriegen.

    17. Aktive Teilname ist laut der MA/BA-PO (oder sowas) z.B. das Bearbeiten von Übungszetteln, wobei aber keine Mindestpunktzahl gefordert werden darf. Anwesenheitslisten gehören nicht dazu und sollen ausgemerzt werden. Steht glaube ich auch irgendwo in dem Infopaket.

    18. Nein, das ist definitiv nicht rechtens.

    So, ich hoffe mal, das hilft euch etwas, eure Bemühungen eher darauf zu richten, wo wirklich noch Verbesserungsbedarf herrscht.

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